Der Nutri-Score – EINE Entscheidungshilfe für DEINE gesunde Ernährung

Der Nutri-Score – EINE Entscheidungshilfe für DEINE gesunde Ernährung

16. Oktober 2019 0 Von Dr. Christine Dawczynski

Der Nutri-Score wurde entwickelt, um Verbrauchern eine Orientierung beim Einkauf von Lebensmitteln zu geben und das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung zu verbessern. 

Der Nutri-Scorebasiert maßgeblich auf der Arbeit von zwei Ernährungswissenschaftlern aus Frankreich und Großbritannien. Mike Rayner ist Professor für Population Health an der Universität Oxford und hat 2005 mit dem Rayner-Score die Basis für den Nutri-Score geschaffen. Serge Hercberg ist Professor für Ernährung an der Universität Paris. Er und sein Team haben das Ernährungsverhalten einer großen Anzahl von Menschen über Jahre beobachtet. Dabei konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit einem besseren Nutri-Score mit einer günstigeren Aufnahme von Nährstoffen und einer geringeren Aufnahme von Energie einhergeht, wodurch das Risiko für das Auftreten einer Vielzahl chronischer Krankheiten sinkt. 

Der Nutri-Score wurde 2013 im Bericht „Vorschläge für einen neuen Impuls für die französische Gesundheitsernährungspolitik im Rahmen der nationalen Gesundheitsstrategie” von Professor Serge Hercberg und seinem Team erstmals vorgestellt. Der Score basiert auf dem FSA-Nährwert, der von der Food Standards Agency (FSA) in Großbritannien erstellt wurde. Frankreich führte die Kennzeichnung von Lebensmittel mit dem Nutri-Score auf freiwilliger Basis ein. Belgien, Spanien, die Schweiz, Luxemburg und Portugal folgen dem französischen Beispiel. 

Aktuell dient der Score internationalen Gesundheitsinstitutionen dazu, Lebensmittel oder Mahlzeiten hinsichtlich ihres Gesundheitswertes zu kategorisieren und zu bewerten.

Der Nutri-Score wurde von renommierten und von der Industrie unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt und ist derzeit die Lebensmittelkennzeichnung mit der umfangreichsten wissenschaftlichen Grundlage.

Was soll durch die Kennzeichnung der Lebensmittel mit dem Nutri-Score erreicht werden?

Bild von TeroVesalainen auf Pixabay

Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, dem Risiko für das Auftreten von Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Jedoch haben es die Verbraucher nicht leicht, sich in dem umfangreichen Lebensmittelsortiment zurechtzufinden, und es fällt ihnen schwer, sich anhand der komplizierten Nährwerttabellen und Zutatenlisten für gesündere Varianten zu entscheiden. Die einfache Nährwertkennzeichnung mit dem Nutri-Score hilft dabei, sich besser zu orientieren und schnell eine gesündere Entscheidung zu treffen.

Die regelmäßige Nutzung des Scores führt auf spielerische Weise dazu, das Ernährungswissen hinsichtlich der Inhaltsstoffe unserer Lebensmittel zu verbessern und das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung zu stärken. Der Nutri-Score eignet sich insbesondere, um ähnliche Lebensmittel miteinander zu vergleichen, sodass die Entscheidung für die gesündere Variante möglich bzw. leichter wird. Verschiedene Studien aus der ganzen Welt zeigen, dass Nutri-Score nachweislich dabei hilft, gesündere Lebensmittel auszuwählen.

Wie funktioniert der Nutri-Score?

Bild von TeroVesalainen auf Pixabay

Der Nutri-Score dient dazu, die Nährwertgehalte von Lebensmitteln durch eine Kombination aus Buchstaben und Farben sichtbar zu machen. So liefert dir die fünfstufige Farb- und Buchstabenskala einen schnellen Überblick über die Nährwertqualität. 

Die Grundlage für die Einteilung in die Bewertungsskala von „grün“ (Kategorie A) bis „rot“ (Kategorie E) liefert ein Punktesystem. Für die Berechnung der Punkte werden die Mengen verschiedener Inhaltsstoffe in 100 Gramm bzw. 100 Milliliter des Produkts ermittelt. In die Berechnung werden Nährstoffe wie der Gehalt an Energie, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz (Natrium) einbezogen, welche negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Für diese Nährstoffe werden Punkte zwischen 0 und 10 vergeben, wobei gilt: Je höher die Mengen der einzelnen Inhaltsstoffe sind, desto mehr Punkte gibt es.

Zusätzlich berücksichtigt der Score auch die Gehalte an Ballaststoffen, Eiweiß sowie den Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen, da diese Komponenten positive gesundheitliche Wirkungen haben können. Für diese Inhaltsstoffe bekommt das Lebensmittel 0 bis 5 Minuspunkte. 

Aus der Gesamtpunktzahl, die möglichst niedrig liegen soll, leitet sich dann die Bewertung auf der Skala von grün und „A“ bis rot und „E“ ab.

PunkteBuchstabe
-1 und wenigerA
0 bis +2B
+3 bis +10C
+11 bis +18D
+19 und mehrE

Auf welchen Produkten ist der Nutri-Score in Deutschland zu finden? 

Um den Nutri-Score berechnen zu können, werden Angaben zu den Nährwerten sowie die Zutatenliste benötigt. Also können grundsätzlich alle Fertigprodukte, wie Pizza, Fischstäbchen, Eisvariationen, Tiefkühlgemüse und -obst sowie Brotaufstriche, Snacks etc. den Nutri-Score auf ihrer Verpackung tragen.

Bild von Kevin Phillips auf Pixabay

Unverarbeitete Lebensmittel, wie frisches Gemüse, Obst, oder Honig, die aus nur einer Zutat bestehen, können nicht mit dem Nutri-Score bewertet werden. 

Bild von TeroVesalainen auf Pixabay

Auch Zutaten, die in der Regel nicht einzeln verzehrt, sondern in geringen Mengen bei der Zubereitung von Speisen verwendet werden, wie Gewürze, Salz, Süßstoffe sowie Essig, Hefe oder Gelatine sind von der Bewertung ausgenommen. Ebenso eignet sich der Nutri-Score nicht für die Bewertung von Produkten wie Kaugummi, Tee und alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2% Vol.

Wenn sich ein Unternehmen für die Verwendung des Nutri-Scores entschieden hat, dann muss das gesamte Produktspektrum mit dem Score bewertet werden. 

Inzwischen kennzeichnen mehr als 70 Lebensmittelhersteller und große Handelsketten in Europa ihre Produkte mit dem Nutri-Score. In Deutschland gibt es eine breite Zustimmung von Verbraucherverbänden, Verbraucherzentralen, Foodwatch und Ernährungswissenschaftlern zu dem Kennzeichnungssystem auf wissenschaftlicher Basis. Unter anderem haben sich inzwischen Bofrost, Danone, Iglo, McCain und der Brot- und Backwarenhersteller Mestemacher freiwillig entschieden, den Nutri-Score auf ihren Verpackungen darzustellen. In französischen Supermärkten sind bereits einzelne Produkte mit dem Nutri-Score zu finden, Belgien, Spanien, Portugal und Luxemburg wollen ebenfalls folgen. Auch Nestlé hat sich europaweit für die Nutzung des Nutri-Scores ausgesprochen und wartet auf die Notifizierung in Deutschland. In Deutschland hat der „Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft“ die Einführung des Nutri-Scores jedoch erst einmal gestoppt. Bleibt zu wünschen, dass dieses Urteil die Einführung des Nutri-Scores in Deutschland nicht dauerhaft blockiert.

Die Einführung des Nutri-Scores hat inzwischen dazu beigetragen, dass die Unternehmen aus gesundheitlicher Sicht günstigere Alternativen ihrer traditionellen Produkte anbieten, sodass die Verbraucher vermehrt die Möglichkeit erhalten, die gesündere Variante ihres Lieblingsproduktes zu wählen.

Iglo geht dabei mit gutem Beispiel voran

Der Austausch der traditionellen Panade um die Iglo-Fischstäbchen gegen eine Vollkornpanade führt dazu, dass der Anteil an gesättigten Fettsäuren sinkt und der Ballaststoffanteil im Produkt steigt, sodass sich die Bewertung nach dem Nutri-Score von „C“ nach „A“ verschiebt. Auf diese Weise trägt der Nutri-Score dazu bei, dass die Verbraucher die Möglichkeit erhalten, sich für eine gesünderen Variante zu entscheiden, ohne die Ernährungsgewohnheiten maßgelich zu verändern. Darüber hinaus wächst der Druck auf Unternehmen gesündere Varianten von Fertigprodukten zu entwicklen und anzubieten.

Welche Datenbanken werden genutzt, um den Nutri-Score zu berechnen?

open food facts

Die frei zugängliche Datenbank für Nahrungsmittel Open Food Fact beinhaltet inzwischen 958.745 Produkte und wächst täglich, da die Produktdaten weltweit von freiwilligen Nutzern eingetragen werden. Durch die gleichnamige App erfolgt die Bewertung der gescannten Produkte durch den Nutri-Score.

Das deutsche Unternehmen baggid hat in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) Halle-Jena-Leipzig kürzlich eine App namens „nutriCARD – gesünder genießen“ entwickelt, welche auf eine Datenbank mit 300.000 Lebensmitteln aus dem deutschen Lebensmittelmarkt und ca. 33.000 Zutaten zurückgreift und ebenfalls den Nutri-Score für diese Lebensmittel berechnet und darstellt.

baggid - Food- & RegTech

Eine vollständige Fusion beider Datenbanken ist angedacht, um die Anzahl der Produkte, die durch den Nutri-Score bewertet werden, weiter zu erhöhen.

Hilfreiche Links für weitere Infos

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/95873/Danone-fuehrt-Lebensmittelampel-ein

http://www.santepubliquefrance.fr/outils/nutriscore/DP_Nutri-Score_EN.pdf

https://bewussterernaehren.de/was-ist-nutri-score.html

Autoren

Dr. Christine Dawczynski und Prof. Dr. Stefan Lorkowski, Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) Halle-Jena-Leipzig